Wissenschaftliches Theologisches Seminar Universität, Heidelberg 2012

 
<<
T
||
1
2
3
4
5
 

Textur + Rhythmus der Altstadtfassade


Das Wissenschaftlich-Theologische Seminar wurde von 1972 bis 1975 unter Einbeziehung eines barocken Bürgerhauses erbaut und wird seitdem als Instituts-
und Seminargebäude genutzt.
Eine energetische Sanierung und die Umwandlung einer kleinen Tiefgarage für die Erweiterung der Bibliotheksflächen wurden zum Anlass genommen eine Integration und Adaption der Baukörper und der Fassaden mit seiner Umgebung im Duktus der Altstadt zu fördern.
Unter Berücksichtigung der fünften Ansicht wurde der Gliederung der Gesamtbaumasse
schon in den 70er Jahren eine große Bedeutung beigemessen. Mit abgesetzten Dächern unterschiedlicher Höhe erreichte man eine typische Altstadtaufsicht.
Bei der Gliederung der Fassaden hingegen stand die bessere Belichtung der Seminarräume auf der Agenda und bestimmte die Fassaden mit baukörperlangen
dunkler Fensterbänder, teilweise auch um die Gebäudeecken gelegt.
Der historische Blick durch die Heidelberger Altstadtgassen wird durch zueinander
versetzte, meist barocke Baukörper entlang der mittelalterlichen Straßenführung bestimmt. Die klassische Lochfassade bestimmt das Bild. Die oft hellen Fassaden sind mit dunkel angelegten, barocken Fenstergewände
belegt und ergeben in der Summe der Häuser die Altstadttextur, schaffen einen ortstypischen Rhythmus.
Es bestand der Wille einen gelungenen Vertreter der 70er Jahre nicht bis zur Unkenntlichkeit zu verwandeln, zu brechen, sondern ihn mit seinen wertigen Wesenszügen zu erhalten und ihm dennoch zu einer texturellen Integration zu verhelfen.
Ein kräftiger Sockel aus Betonfertigteilen mit feinen Kanneluren verschafft dem Baukörper die Verbindung mit der Altstadtgasse, mit dem Boden. Die alten Holzfenster wurden mit einer neuen Isolierglasscheibe versehen, hell angelegt und erhielten eine ebenfalls hell gestrichene, mit dem Gesims und den neuen gedämmten Brüstungen der Obergeschosse bündige, vorgesetzte Kastenanlage. Die senkrechten Laibungen der Kästen wurden in jedem zweiten Feld farbig gestrichen. Im flachen Sichtwinkel der Straßenpassanten entsteht nun der beschriebene Effekt. Die Verwendung von zwei Farben für die unterschiedlichen
Gebäudekubaturen schafft eine weitere Untergliederung.
Die Dachflächen, bisher mit schwarzen Zementfaserschindeln gedeckt erhielten
eine Eindeckung mit echtem Schiefer, einem Material, das in der Heidelberger
Altstadt, historisch den universitären und wichtigen städtischen Gebäuden
und den Kirchen vorbehalten war.

 

Bauherr:
Vermögen und Bau, Baden-Württemberg
Universitätsbauamt Heidelberg

Hauptnutzer:
Wissenschaftlich Theologisches Seminar, Uni HD